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Reifenlexikon

Die Begriffe von der Reifenflanke und aus den Produktdaten — jeweils in einem Satz erklärt.

Größen und Kennzeichnungen

Reifenbreite
Die erste Zahl der Reifengröße, in Millimetern — bei 205/55 R16 also 205 mm Laufflächenbreite. Breiter heißt mehr Aufstandsfläche, aber auch mehr Rollwiderstand und meist höherer Preis.
Querschnittsverhältnis
Die zweite Zahl, ein Prozentwert: die Flankenhöhe im Verhältnis zur Breite. Bei 205/55 ist die Flanke 55 % von 205 mm, also rund 113 mm. Kleinere Werte bedeuten eine flachere Flanke und ein strafferes, aber härteres Fahrgefühl.
Felgendurchmesser
Die Zahl nach dem R, in Zoll — R16 passt ausschließlich auf eine 16-Zoll-Felge. Dieser Wert ist nicht verhandelbar: ein Reifen mit abweichendem Durchmesser lässt sich nicht montieren.
Reifenflanke
Die Seitenwand des Reifens. Hier stehen sämtliche Kennzeichnungen: Größe, Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex, DOT-Nummer, M+S, Alpine-Symbol und Herstellerangaben.
DOT-Nummer
Der Herstellungscode auf der Flanke. Die letzten vier Ziffern nennen Produktionswoche und -jahr: 2325 bedeutet 23. Kalenderwoche 2025. So lässt sich das tatsächliche Alter eines Reifens ablesen.
EAN
Die 13-stellige Artikelnummer, die genau eine Reifenvariante identifiziert. Nützlich beim Preisvergleich: gleiche EAN heißt exakt dasselbe Produkt, unabhängig davon, wie ein Händler es benennt.
ETRTO
Die europäische Normungsorganisation für Reifen und Felgen. Sie legt fest, welche Größen, Maße und Tragfähigkeiten überhaupt zulässig sind — deshalb passen Reifen verschiedener Hersteller auf dieselbe Felge.

Technische Merkmale

Tragfähigkeitsindex
Die Zahl nach der Größe, zum Beispiel die 91 in 205/55 R16 91V. Sie steht für die maximale Traglast pro Reifen — 91 entspricht 615 kg. Der vom Fahrzeughersteller vorgegebene Wert darf nie unterschritten werden.
Geschwindigkeitsindex
Der Buchstabe am Ende, etwa das V in 91V. Er nennt die zulässige Höchstgeschwindigkeit: T = 190 km/h, H = 210, V = 240, W = 270, Y = 300. Er muss mindestens der Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs entsprechen.
XL (Extra Load)
Eine verstärkte Karkasse, die mit höherem Luftdruck mehr Last trägt als die Standardausführung derselben Größe. Schreibt der Fahrzeughersteller XL vor, ist ein Standardreifen keine zulässige Alternative.
Aquaplaning
Der Zustand, in dem sich ein Wasserfilm zwischen Reifen und Fahrbahn schiebt und der Reifen den Kontakt verliert. Profiltiefe, Geschwindigkeit und Wasserstand entscheiden — deshalb ist Restprofil im Regen wichtiger als bei Trockenheit.
Asymmetrisch
Ein Profil mit unterschiedlicher Innen- und Außenseite: außen für Kurvenstabilität, innen für Wasserableitung. Die Flanke trägt Outside beziehungsweise Inside — die Seiten dürfen nicht vertauscht werden.
C-Kennzeichnung
Steht für Commercial: ein Transporterreifen mit verstärkter Bauweise für höhere Zuladung, erkennbar an dem C nach dem Felgendurchmesser (195/70 R15C). Für Kastenwagen und Wohnmobile meist zwingend.
Felgenschutz
Ein umlaufender Gummiwulst an der Flanke, der beim Anfahren an Bordsteine die Felgenkante schützt. Rein mechanisch, ohne Einfluss auf das Fahrverhalten.
Laufrichtungsgebunden
Ein Profil, das nur in einer Drehrichtung montiert werden darf, markiert durch einen Pfeil mit der Aufschrift Rotation. Falsch herum montiert verliert der Reifen einen erheblichen Teil seiner Aquaplaning-Reserve.
Mischbereifung
Vorne und hinten unterschiedliche Reifengrößen, ab Werk vor allem bei hecklastigen Sportwagen. Sie ist nur zulässig, wenn der Fahrzeughersteller sie vorsieht, und schließt das achsübergreifende Tauschen der Reifen aus.
OE-Kennzeichnung
Ein Herstellerkürzel auf der Flanke, das eine Erstausrüstungsfreigabe anzeigt: MO für Mercedes, AO für Audi, ★ für BMW, N0–N5 für Porsche. Die Mischung ist auf das jeweilige Fahrwerk abgestimmt und weicht von der Handelsversion desselben Modells ab.
Radial und Diagonal
Zwei Karkassenbauarten. Radial (das R in der Größe) ist heute Standard und bietet weniger Rollwiderstand und besseres Handling. Diagonal findet sich nur noch bei Oldtimern, Anhängern und einzelnen Motorradanwendungen.
Reinforced (RF)
Ältere Bezeichnung für dasselbe wie XL: eine verstärkte Ausführung mit höherer Tragfähigkeit. Beide Kennzeichnungen kommen noch nebeneinander vor.
Runflat (Notlaufreifen)
Ein Reifen mit verstärkten Flanken, der nach einem Druckverlust noch begrenzt weiterfahren kann — üblicherweise rund 80 km bei maximal 80 km/h. Setzt ein funktionierendes RDKS voraus, weil der Druckverlust sonst unbemerkt bleibt.
Selbstdichtender Reifen
Eine innen aufgebrachte Dichtschicht, die kleine Einstiche in der Lauffläche sofort verschließt. Anders als beim Runflat bleibt der Reifen normal aufgebaut und behält sein gewohntes Fahrverhalten.

EU-Reifenlabel

EPREL
Die EU-Produktdatenbank, in der jedes gelabelte Reifenmodell registriert ist. Über den QR-Code auf dem Label lässt sich das offizielle Datenblatt direkt bei der EU aufrufen — unabhängig von den Angaben des Händlers.
Kraftstoffeffizienz
Die erste Klasse auf dem EU-Reifenlabel, A bis E. Sie bewertet den Rollwiderstand; zwischen A und E liegen ungefähr 0,5 Liter je 100 Kilometer. Über die Lebensdauer eines Satzes ist das oft mehr als der Kaufpreisunterschied.
Nasshaftung
Die zweite Klasse auf dem Label, A bis E — die Bremsleistung auf nasser Fahrbahn. Zwischen A und E liegen aus 80 km/h rund 18 Meter Bremsweg. Von allen Labelwerten der sicherheitsrelevanteste.
Rollgeräusch
Der dritte Wert auf dem Label: das externe Vorbeifahrgeräusch in Dezibel, dazu eine Klasse A bis C. Gemessen wird die Umgebungsbelastung, nicht die Lautstärke im Innenraum — die hängt zusätzlich von der Dämmung des Fahrzeugs ab.
Eisgriffigkeit
Ein optionales Piktogramm auf dem Label, das Reifen mit geprüfter Bremsleistung auf Eis kennzeichnet. Es kommt fast ausschließlich auf nordischen Winterreifen vor.
Rollwiderstand
Die Energie, die ein Reifen durch Verformung beim Abrollen verliert. Er bestimmt die Kraftstoffeffizienz-Klasse und ist bei Elektrofahrzeugen besonders relevant, weil er direkt Reichweite kostet.

Saison

Alpine-Symbol (3PMSF)
Das Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Es wird nur nach einem genormten Bremstest auf Schnee vergeben und ist seit dem 1. Oktober 2024 die einzige in Deutschland anerkannte Wintertauglichkeitskennzeichnung.
M+S
Matsch und Schnee — eine reine Herstellerangabe ohne vorgeschriebene Prüfung. In Deutschland reicht M+S allein seit Oktober 2024 nicht mehr aus; maßgeblich ist das Alpine-Symbol.
Sommerreifen
Eine harte Mischung mit großen Profilblöcken, ausgelegt auf Temperaturen über etwa 7 °C. Bei Wärme kurzer Bremsweg und geringer Verschleiß, bei Kälte deutlich weniger Grip — lange bevor Schnee liegt.
Winterreifen
Eine weiche Mischung mit vielen Lamellen, die sich unter etwa 7 °C in Schnee und Nässe verzahnen. Im Sommer nutzt sie sich schnell ab und verlängert den Bremsweg — ganzjährig gefahren ist sie die schlechteste beider Welten.
Ganzjahresreifen
Ein Kompromissreifen für das ganze Jahr. Mit Alpine-Symbol erfüllt er die deutsche Winterreifenpflicht vollständig. Sinnvoll bei geringer Fahrleistung im Flachland, unterlegen bei regelmäßigen Fahrten in Schnee und Eis.

Wartung

TWI (Verschleißanzeiger)
Kleine Stege im Rillengrund, die exakt auf Höhe der gesetzlichen 1,6 mm liegen. Sind sie bündig mit der Lauffläche, ist die Verschleißgrenze erreicht. Die Position markiert ein TWI-Zeichen auf der Flanke.
Reifendruck
Der vom Fahrzeughersteller vorgegebene Fülldruck, zu finden in der Tankklappe oder im Türholm. Monatlich im kalten Zustand prüfen: zu wenig Druck kostet Kraftstoff, verlängert den Bremsweg und zerstört die Reifenschultern.
bar und PSI
Zwei Einheiten für denselben Druck. In Deutschland üblich ist bar, angelsächsische Geräte zeigen PSI: 1 bar entspricht rund 14,5 PSI, 2,2 bar also etwa 32 PSI.
RDKS
Reifendruckkontrollsystem — für alle in der EU seit November 2014 erstzugelassenen Pkw vorgeschrieben. Direkte Systeme messen über Sensoren im Rad, indirekte errechnen den Druckverlust aus den Raddrehzahlen.
Reifenrotation
Das Tauschen der Räder zwischen Vorder- und Hinterachse, damit sie gleichmäßig verschleißen. Bei Mischbereifung oder laufrichtungsgebundenem Profil nur eingeschränkt oder gar nicht möglich.
Auswuchten
Das Ausgleichen von Gewichtsunterschieden im Rad mit kleinen Gegengewichten. Bei jedem Reifenwechsel fällig — ohne Wuchtung entstehen Vibrationen im Lenkrad und unregelmäßiger Verschleiß.
Achsvermessung
Die Einstellung von Spur und Sturz. Stimmt die Geometrie nicht, läuft der Reifen einseitig ab — ein neuer Satz auf einer falsch eingestellten Achse ist innerhalb weniger tausend Kilometer beschädigt.
Reifenalter
Gummi altert auch ohne Fahrleistung. Üblich ist die Empfehlung, Reifen spätestens nach etwa zehn Jahren zu ersetzen und ab sechs Jahren regelmäßig auf Risse zu prüfen. Das Herstelldatum steht in der DOT-Nummer.

Motorrad

Tubeless (schlauchlos)
Ein Reifen, der ohne Schlauch direkt auf der Felge abdichtet. Verliert bei einem Einstich langsamer Luft als ein Schlauchreifen und lässt sich unterwegs meist mit einem Pilzflicken reparieren.
Tube Type (mit Schlauch)
Ein Reifen, der einen Schlauch benötigt — typisch für Speichenräder an Enduros und Klassikern. Tubeless und Tube Type sind nicht beliebig austauschbar: entscheidend ist die Felge.
Vorder- und Hinterreifen
Motorradreifen werden achsspezifisch entwickelt und in unterschiedlichen Größen verkauft. Vorne zählt präzises Einlenken, hinten Traktion — deshalb werden sie als aufeinander abgestimmtes Paar gefahren, nicht einzeln kombiniert.